← Blog

KI-Mengenermittlung testen: Die Checkliste für Ihre Demo

Wie Sie eine KI-gestützte Mengenermittlung wirklich prüfen — mit Blindtest, 14 Prüfpunkten für die Demo, den fünf Fragen, die eine schöne Oberfläche von einem belastbaren System trennen, und acht Fragen an jeden Anbieter.

27. August 2026 · 9 Min. Lesezeit

Mengenermittlung mit Berechnung, Quelle und Sicherheitsklasse je Position

KI-gestützte Mengenermittlung verspricht viel: Einreichplan hochladen, Leistungsverzeichnis mit Mengen herausbekommen. Ob das für Ihre Projekte trägt, erfahren Sie nicht aus einer Produktseite und nicht aus einer Demo mit vorbereitetem Beispiel. Sie erfahren es, wenn Sie das System mit einem eigenen Plan konfrontieren und hart nachfragen. Dieser Beitrag ist das Testprotokoll dafür — anbieterneutral, anwendbar auf jede Software, auch auf unsere.

Die richtige Frage stellen

Die meisten Prüfungen scheitern an der falschen Ausgangsfrage: „Kann die KI eine Ausschreibung zu 100 % alleine erstellen?“ Die Antwort ist bei jedem Anbieter nein, und wer etwas anderes behauptet, verkauft. Die Frage, die wirtschaftlich zählt, lautet:

„Wie viel Arbeitszeit eines Kalkulanten spart das System — und wie viel Prüfzeit bleibt übrig?“

Ein Kalkulant braucht für Aufmaß und LV-Vorbereitung eines Einfamilienhauses ein bis drei Tage. Wenn daraus 30 Minuten Rechenzeit plus ein bis zwei Stunden fachliche Prüfung werden, ist das ein Geschäftsmodell. Wenn aus drei Tagen drei Stunden Rechenzeit plus zwei Tage Nacharbeit werden, ist es keines. Der Test muss also messen, wie prüfbar das Ergebnis ist — nicht nur, ob die Endsumme plausibel wirkt.

Stufe 1: Blindtest statt Demo

Lassen Sie sich keine Oberfläche zeigen. Geben Sie dem Anbieter einen echten Plan, den Sie bereits kalkuliert haben, und sagen Sie sinngemäß: „Wir möchten sehen, was das System selbstständig aus diesem Plan herausbekommt. Bitte zunächst ohne unsere Unterstützung.“ Ihr eigenes Leistungsverzeichnis behalten Sie bis zur Auswertung für sich.

Nehmen Sie keinen schönen, einfachen Einfamilienhausplan. Nehmen Sie einen mit Ecken: Abbruch, Gelände, Keller unter Grundwasser, unterschiedliche Bodenaufbauten, Dach mit Gaupen, mehrere Planstände. Genau dort trennt sich ein Takeoff-System von einer KI-Demo.

Test 1 — einfache Mengen

Bestimmen Sie vorher händisch und vergleichen Sie danach je Position:

  • m² Boden je Aufbau
  • m² Estrich
  • m² Innenputz bzw. Spachtelung
  • m² Außenputz / WDVS
  • m³ Beton je Bauteil
  • m² Schalung
  • lfm Wände je Wandtyp

Dokumentieren Sie die Abweichung pro Position. Nicht die Gesamtsumme — die kann zufällig stimmen, obwohl einzelne Mengen völlig falsch sind.

Test 2 — die schwierigen Bauteile

  • Dach (Neigung, Gaupen, Dachflächenfenster)
  • Abbruch (ohne Abbruchplan: was wird angenommen, und steht das dabei?)
  • Gelände und Aushub (Tiefe aus dem Schnitt, Arbeitsraum, Verbau)
  • Fundament und Bodenplatte in mehreren Dicken
  • verschiedene Wandaufbauten als getrennte Positionen
  • Decken in verschiedenen Stärken, Gefälledecken
  • Öffnungen und ihr Abzug
  • Höhenunterschiede zwischen Geschossen
  • mehrere Planstände

Test 3 — der eigentlich entscheidende

Wenn das LV erzeugt ist, nehmen Sie eine Position nach der anderen und fragen nicht „Stimmt das?“, sondern: „Zeig mir bitte die Herleitung dieser Menge.“

Steht dort „Innenwand verputzen – 428,5 m²“, sollte das System zeigen können: Geschoss EG X m², Geschoss OG Y m², abzüglich Türen Z m², abzüglich Fenster … = 428,5 m². Mit Verweis auf das Planblatt, aus dem die Maße stammen. Kann es das nicht, prüfen Sie im Ernstfall jede Zahl von Hand — und dann war die Zeitersparnis eine Illusion.

Stufe 2: Die 14 Prüfpunkte für die Demo

Drucken Sie diese Liste aus und haken Sie während der Demo ab. Jeder Punkt ist mit einem eigenen Plan live zeigbar — oder eben nicht.

#PrüfpunktWorauf achtenOK
1Räume erkennenAlle Räume mit Bezeichnung und Fläche erfasst? Stimmen die Raumflächen mit dem Raumstempel überein?
2Flächen korrektBGF je Geschoss, Bodenflächen je Aufbau, Wandflächen — nachrechenbar aus Maßketten?
3WandlängenInnen- und Außenwände in lfm, getrennt nach Aufbau? Oder pauschal je Geschoss geschätzt — und wenn ja, ist das gekennzeichnet?
4Fenster/Türen erkennenStückzahlen und Formate aus Grundriss, Ansicht oder Fensterliste? Woher, wenn keine Fensterliste beiliegt?
5ÖffnungsabzügeWerden Öffnungen von Putz-, Fassaden- und Fliesenflächen abgezogen? Steht der Abzug sichtbar in der Herleitung?
6Höhen aus SchnittenGeschosshöhen, Aushubtiefe, Grundwasserniveau, Attika aus den Schnitten übernommen?
7DachflächenNeigung berücksichtigt? Gaupen, Dachflächenfenster, Aufbauten gezählt?
8Verschiedene WandtypenSTB 30 cm, STB 18 cm, Trockenbau 10 cm, Installationswand — jeweils eigene Position mit eigener Menge?
9Mengenherleitung nachvollziehbarSteht bei jeder Menge die Rechnung? Beispiel: „124,06 lfm × 3,40 m × 0,30 m = 126,54 m³“.
10LV-Position automatisch zugeordnetVerweist jede Position auf eine Nummer des Leistungsbuchs? Was passiert mit Leistungen, die das Leistungsbuch nicht kennt?
11ÖNORM / ONLVExportiert das System einen Datenträger nach ÖNORM A 2063, den Ihre AVA-Software ohne Nacharbeit importiert?
12Annahmen gekennzeichnetIst erkennbar, welche Mengen direkt im Plan stehen, welche hergeleitet und welche angenommen sind?
13Fehler/Unsicherheit gekennzeichnetSagt das System, was im Plan fehlt — und was das kosten kann? Oder liefert es überall eine Zahl?
14PlanänderungenWas passiert, wenn Sie später Planstand B hochladen? Neue Rechnung, Differenz, oder alles von vorn?

Stufe 3: Fünf Fragen, die eine Demo entlarven

1. „Woher kommt diese Menge?“

Die wichtigste Frage überhaupt, bei jeder Position. Steht dort 43,7 m² Innenputz, muss das System die Rechnung und das Planblatt nennen können. Eine Zahl ohne Herleitung ist eine Schätzung mit Nachkommastellen.

2. „Woher weiß das System, dass hier Innenputz auszuschreiben ist?“

Im Plan steht „Außenwand 25 cm Ziegel“, aber nicht „Innenputz 15 mm“. Lautet die Antwort „Wir haben dafür Aufbau- und Leistungsregeln hinterlegt“ — gut. Lautet sie „Die KI nimmt aufgrund ihrer Erfahrung an, dass …“ — Vorsicht. Für eine Ausschreibung ist eine plausible Annahme noch keine korrekte Mengenermittlung.

3. „Zieht ihr Fenster und Türen ab? Ab welcher Größe? Nach welcher Regel?“

Nehmen Sie eine Wand mit mehreren Fenstern und Türen. Hier trennt sich ein gutes Takeoff-System von einer schönen Oberfläche. Akzeptabel ist auch ein pauschaler Abzug — solange er offen in der Herleitung steht und Sie ihn gegen Ihre Abrechnungsregel prüfen können. Nicht akzeptabel ist ein versteckter Abzug, den niemand erklären kann.

4. „Kann das System diese vier Wandtypen unterscheiden?“

25er Ziegel, 12er Ziegel, Stahlbetonwand, Trockenbauwand: vier Aufbauten, vier LV-Positionen, vier Mengen. Wenn alles in „Wände m²“ landet, ist das LV nicht ausschreibungsfähig.

5. „Was genau passiert in der Rechenzeit?“

Nennt der Anbieter 30 Minuten für ein Einfamilienhaus und zwei bis drei Stunden für ein größeres Projekt, fragen Sie nach: Läuft das Projekt vollständig automatisch durch — oder ist darin eine manuelle Prüfung oder Nachbearbeitung durch Mitarbeiter des Anbieters enthalten?

Beides kann ein gutes Produkt sein. Aber „Upload → 3 Stunden → fertiges Ergebnis“ und „Upload → 3 Stunden → Mitarbeiter arbeiten noch zwei Stunden nach“ sind wirtschaftlich zwei völlig verschiedene Dinge, sobald Sie 20 Projekte im Jahr rechnen. Und es entscheidet, ob das Ergebnis reproduzierbar ist.

Acht Fragen an jeden Anbieter

Unabhängig von der Demo — diese Fragen gehören in jedes Erstgespräch. Auf die letzte kommt es an.

  1. Wie viele reale Projekte wurden bisher mit dem System kalkuliert?
  2. Wie viele LV-Positionen wurden tatsächlich von Menschen gegengeprüft?
  3. Wie hoch ist die durchschnittliche Mengenabweichung je Gewerk?
  4. Wie viele Positionen werden durchschnittlich automatisch korrekt erkannt?
  5. Wie funktioniert die Maßstabs- und Geometrieerkennung bei gescannten PDFs?
  6. Wie werden fehlende Informationen behandelt?
  7. Welche Teile werden durch KI gemacht und welche regelbasiert?
  8. Kann ich ein eigenes Projekt als Blindtest rechnen lassen und die Ergebnisse mit meinem bestehenden LV vergleichen?

Wenn der Anbieter auf Frage 8 sagt: „Ja, natürlich — geben Sie uns einen echten Plan“, ist das ein sehr gutes Zeichen. Wenn er ausweicht, wissen Sie auch etwas.

Das Bewertungskriterium, das zählt

Schauen Sie nicht nur auf die Trefferquote. Ein System, das bei 95 % der Positionen richtig liegt und die restlichen 5 % klar als unsicher markiert, ist wesentlich wertvoller als eines, das bei 100 % der Positionen irgendeine Zahl ausspuckt. Das erste können Sie in einer Stunde prüfen. Das zweite müssen Sie komplett nachrechnen.

Konkret heißt das: Achten Sie darauf, ob das System zwischen direkt im Plan belegten, hergeleiteten und angenommenen Mengen unterscheidet — und ob es bei Annahmen sagt, was im Plan fehlt und was das kosten kann. Fehlende Statik, fehlendes Bodengutachten, fehlender Abbruchplan, fehlende Fensterliste: Das sind die Punkte, die später die Marge fressen. Ein System, das sie benennt, ist ein Werkzeug. Eines, das darüber hinwegrechnet, ist ein Risiko.

Und BauKIT?

Wir haben diese Liste nicht geschrieben, weil wir sie bequem finden. Wir haben sie geschrieben, weil wir sie bestehen wollen — Punkt für Punkt, an Ihrem Plan. Jede Menge in einer BauKIT-Mengenermittlung trägt ihre Rechnung, ihre Quelle im Plan und eine von drei Sicherheitsklassen; fehlende Angaben beginnen mit „NICHT IM PLAN:“ und einer Begründung. Die Rechenzeit ist vollautomatisch, ohne Nacharbeit durch uns.

Ob das für Ihre Projekte reicht, entscheiden nicht wir. Bringen Sie diese Liste mit und lassen Sie uns einen Plan rechnen, den Sie schon kalkuliert haben: Blindtest anfragen.

FAQ

Häufige Fragen

Wie prüft man eine KI-Mengenermittlung am besten?

Mit einem Blindtest: einen bereits selbst kalkulierten Plan rechnen lassen, ohne dem Anbieter das eigene Leistungsverzeichnis zu zeigen, und anschließend Position für Position vergleichen — nicht nur die Endsumme. 10 bis 20 vorher händisch gemessene Positionen reichen, um die Abweichung je Position zu dokumentieren.

Warum reicht die Gesamtsumme als Prüfkriterium nicht?

Weil sich Fehler ausgleichen können. Eine Gesamtsumme kann zufällig stimmen, obwohl einzelne Mengen deutlich falsch sind. Entscheidend ist die Abweichung je Position und je Gewerk.

Was ist wichtiger: Trefferquote oder gekennzeichnete Unsicherheit?

Gekennzeichnete Unsicherheit. Ein System, das bei 95 % der Positionen richtig liegt und die restlichen 5 % klar als unsicher markiert, ist für die Praxis wertvoller als eines, das bei 100 % der Positionen irgendeine Zahl ausgibt.

Welche Frage sollte man dem Anbieter unbedingt stellen?

„Was genau passiert in der Rechenzeit — läuft das Projekt vollautomatisch durch oder arbeitet ein Mitarbeiter des Anbieters manuell nach?“ Beides kann ein gutes Produkt sein, ist wirtschaftlich aber etwas völlig anderes, sobald man 20 Projekte im Jahr rechnet.

Woran erkennt man, ob Mengen regelbasiert oder geraten sind?

An der Antwort auf „Woher weiß das System, dass hier Innenputz auszuschreiben ist?“. Lautet sie „aus hinterlegten Aufbau- und Leistungsregeln“, ist das belastbar. Lautet sie „die KI nimmt aufgrund ihrer Erfahrung an“, ist Vorsicht geboten — eine plausible Annahme ist noch keine korrekte Mengenermittlung.

Sehen Sie BauKIT an Ihrem eigenen Plan.

Vereinbaren Sie eine unverbindliche Demo. Wir zeigen BauKIT an einem Ihrer Einreichpläne und besprechen, wie es in Ihren Ablauf passt.